Der Latemarwald an den Nordhängen des Latemarmassivs in Südtirol gilt als einer der schönsten Fichtenwälder Europas. Auf kalkhaltigen Böden in Höhenlagen zwischen 1.400 und 2.100 Metern finden die Fichten dank reichlicher Niederschläge und kurzer Vegetationsperioden ideale Wachstumsbedingungen. Die Bäume stehen häufig an Nord- und Nordwesthängen. Während das Gelände in den tieferen Lagen noch relativ flach ist, wird es weiter oben zunehmend steiler und ist von Schluchten und Lawinenbahnen durchzogen. Unter diesen Bedingungen können die Fichten bis zu 45 Meter hoch und zwischen 200 und 260 Jahre alt werden.
Diese besonderen Standortbedingungen begünstigen einen bemerkenswert geraden und gleichmäßigen Wuchs mit engen Jahresringen, die das Holz besonders begehrt machen. Als besonders wertvoll gilt die sogenannte Haselfichte, die im Instrumentenbau seit Langem für ihre einzigartigen klanglichen und optischen Eigenschaften geschätzt wird.
Idealerweise wächst der ausgewählte Baum auf etwas flacherem Gelände, wo sich eine konzentrische und gleichmäßige Stammstruktur entwickeln kann. Deutliche Anzeichen von Drehwuchs hingegen sind bereits ein Ausschlusskriterium.
Neben diesen objektiven Kriterien spielt bei meiner Auswahl immer auch eine gewisse Intuition eine Rolle. Obwohl ein erhebliches Restrisiko bleibt – schließlich lässt sich die tatsächliche Qualität des Holzes erst nach der Fällung und dem anschließenden Aufsägen beurteilen –, leitet mich dieses Gespür zu jenen Bäumen, die das größte Potenzial haben, eines Tages zu außergewöhnlichen Instrumenten zu werden.